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Präsentation

Das 3. Gebot

 

“Du sollst nicht betreten den Veranstaltungsort im durchgeschwitzten T-Shirt (Wie Sie sich vor dem Auftritt präsentieren)

 

Bauernaufstand auf der A 2. Jede Menge Mercedes-Diesel auf der Überholspur. Runter von der Autobahn – rein in die nächste Ortschaft – uups, das war ein Bahnübergang. Der Anhänger hüpft lustig hinterher, die Elektronik hat’s hoffentlich gefreut.

Kurz vor halb sieben endlich die ‘Schwarze Wildsau’ gefunden. Gleich gibt’s Regen, schnell die angerosteten Boxenstative unter den linken Arm, das abgestoßene Gitarrencase in die rechte Hand und ´rein in die gute Stube.
Im Laufschritt wieder ´raus, eben den Schweiß abwischen; warum guckt bloß der Wirt so komisch?

Schaumburger Musiktransporter

 

 

 

 

 

 

 

Der denkt gerade an die 7 x 7 x 7 Regel. Danach dauert es 7 Sekunden, bis er 7 Informationen über Sie aufgenommen hat, die sein Gehirn 7 Jahre lang speichert.
Ohne das Ganze zu akademisch werden zu lassen; hier handelt es sich um einen in der modernen Gehirnforschung bekannten psychologischen Mechanismus, der unseren Urahnen schon in grauer Vorzeit gute Dienste geleistet hat.
Im Klartext: In den ersten wenigen Sekunden einer Begegnung entsteht ein bleibender Eindruck vom Gegenüber. Hier wird nicht nur über Sympathie oder Antipathie dauerhaft entschieden, sondern (und das ist für Sie von fundamentalem Interesse) auch über den Ablauf der Veranstaltung und über mögliche Anschlußgeschäfte.
Was folgert der pfiffige Musiker daraus?
Richtig, er legt sich eine völlig neue Strategie zurecht.
Die beginnt mit der Checkliste, die Sie sich beizeiten zur Hand nehmen, um die Anfahrtszeit richtig einschätzen zu können. Legen Sie ruhig noch ein halbes Stündchen drauf, dann kann Ihnen auch ein Stau nicht viel anhaben.
Die Anlage bauen Sie auf, wenn noch kein nach Animation lechzender Gast in Sicht ist. So haben Sie genügend Zeit, sich zwischendurch einmal ‘frisch zu machen’ und den Soundcheck durchzuführen. Sie können sich in aller Ruhe umziehen und ganz relaxed der Veranstaltung entgegensehen.
Sie sind aber Alleinunterhalter und der Festsaal liegt im ersten Obergeschoß? Sie brauchen jetzt ein paar fixe Helfer, um Ihre Geräte schnell auf die Bühne zu bekommen?
Schließlich ist nur ein Musiker ohne Hexenschuß ein guter Musiker!
Das Spiel mit dem Risiko mag in anderen Situationen durchaus seine Reize haben, in diesem Job jedoch sind Sie der Profi und hilfsbereite Gäste eben nur Amateure, denen die Umsicht fehlt: Das in eine splitternde Scheibe versenkte Boxenstativ, das von Stufe zu Stufe purzelnde Keyboard – ein grausiges Szenario.
Bei beschädigtem Interieur haben Sie ‘lediglich’ die Haftungsfrage zu klären. Werden jedoch Ihre Instrumente oder gar die Endstufe beschädigt, ist der Abend für Sie gelaufen.
Wenn der Veranstalter eintrifft, stellen Sie sich vor und betreiben ein wenig ‘small talk’, bei Hochzeiten beziehen Sie auch die Eltern von Braut und Bräutigam mit ein. Das erscheint Ihnen kleinkariert?

Sie haben wie immer recht.
Die Veranstalter finden das aber gut.
Ich auch.
3. schlägt 1.
Immer locker bleiben
Das Essen (natürlich haben Sie im

Vorgespräch abgeklärt, ob Sie eingeladen sind) nehmen Sie möglichst nicht in einer abgeschiedenen Zweifelkammer, sondern zusammen mit den Gästen am Tisch ein. Sie wollen nämlich die Möglichkeit nutzen, in zwanglosen Gesprächen zu erfahren, was bisher auf der Feier passiert und was noch geplant ist. Sie bauen die Hemmschwelle zwischen Ihnen und den Gästen ab, erfahren einiges über die Persönlichkeitsstruktur Ihrer Gesprächspartner und vermeiden, daß Sie bei späteren Einlagen genau die falsche Person, nämlich den introvertierten, kontaktarmen Jüngling auf die Bühne bitten.
Wenn die Gäste das Dessert einnehmen, ist für Sie der Zeitpunkt gekommen, die Tischmusik zu beenden (evtl. eine Kassette einzulegen) und selber Ihren leiblichen Bedürfnissen zu frönen.
Apropos Tischmusik – hier haben Sie vorwiegend klassische Stücke leise präsentiert. Als Sie das Klappern der Bestecke hörten, wußten Sie: die Lautstärke stimmt.
Kontakte mit den Gästen können Sie auch in den Tanzpausen pflegen, indem Sie sich nicht hinter Ihren Geräten verstecken, sondern sich an die Theke bemühen. Netterweise gibt der eine oder andere Gast ‘einen aus’, Sie trinken mit und – früher oder später stimmt Ihr spielerisches Timing nicht mehr. Freundlich, aber bestimmt weisen Sie darauf hin, daß Sie Ihren Führerschein auch am nächsten Wochenende noch brauchen und trinken – ein Wasser. Denn – ‘Allohol macht Birne hohl’.
Wer sich zu groß fühlt, um kleine Aufgaben zu erfüllen, ist zu klein, um mit großen Aufgaben betraut zu werden (Der Spruch ist dummerweise nicht von mir, hebt aber nach Meinung meiner Mitautoren das Niveau dieses Buches ganz enorm).


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