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Midifiles

Das 6. Gebot

 

“Du sollst begehren Deines Nächsten Diskette, sie sanft in den Schacht schieben und die wilde Wutz ´rauslassen.”

(Über den Einsatz und Umgang mit GM – Songs)

 

Sonntagmorgen, halb 10 in Deutschland.
Stammtisch.
„Die Geschäfte im Mai haben ganz schön nachgelassen. Für Weihnachten und Sylvester ist auch noch nichts in Sicht,“ lamentiert Kalle mit von Sorgenfalten zerfurchtem Gesicht.
„Das liegt bestimmt an der schlechten Wirtschaftslage,“ Otto, eine düstere Zukunft vorausahnend. “Und an den Billig-Keyboards mit Einfingerautomatik. Da kann doch jeder …“
„Du Schwachstromelektriker solltest Dich ´mal auf den neuesten Stand der Technik schaffen. Mit Deiner Uralt-Orgel lockst Du keinen Hund mehr hinter´m Ofen ´vor.“
Das war Rudi (in Insiderkreisen auch Disketten-Rudi genannt). Wir treffen uns zwar nur noch selten, aber Rudi ist ein echter Freund, wenn er uns braucht.

Sie haben es schon gemerkt. Hier ging es um die vieldiskutierte Frage, ob es der Ehrenkodex eines Tanzmusikers zuläßt, GM-Songs oder Midifiles bei Veranstaltungen einzusetzen oder nicht.
Sie wird immer wieder von Kollegen, aber ganz besonders auch von Veranstaltern heiß diskutiert, und – sie ist eine Geschichte voller Mißverständnisse.
Nach meiner Erfahrung gibt es ganz unterschiedliche Gruppen von Musikern:

1. Die Tasten-Puristen
Sie akzeptieren neben ihrer Hammondorgel allenfalls noch ein akustisches Schlagzeug, sind geniale Spieler, befinden sich aber, was technische „Neuerungen“ anbelangt (Midi) auf dem Wissensstand eines zweijährigen Kindes.

2. Die Sequenzerrowdies
Sie plazieren einen riesigen Expanderpark auf der Bühne und benutzen einen Sequenzer mit integrierter Festplatte. Den flinken Druck aufs Knöpfchen erleben sie als Pendant zum multiplen Orgasmus.

3. Die Weich-Eier
Sie tragen selbstgeknüttete Socken und Rentierpullover, heißen Peer oder Helge und sprechen mit leiser Stimme: „ Du, irgendwie bin ich ja schon mit meinem Casio ganz zufrieden, aber …“
Die Auflösung eines C-Dur Akkordes diskutieren sie wissend nickend bei einer Tasse Mate Tee.

Was – Sie können sich keiner dieser Gruppen zuordnen?
Recht haben Sie. Es gibt noch eine. Doch dazu später.

 

Fakt ist, daß die Auftragslage seit einiger Zeit auch im Tanzmusikbereich schlechter geworden ist. Aber sind daran Begleitautomaten oder Sequenzertechnik schuld?
Der „Musiker“, der sich bei Voll-Playback auf der Bühne eine Zigarette ansteckt oder eine Tasse Gerstenkaltschale genehmigt, schadet sicherlich dem Geschäft und kann eine ganze Branche in Verruf bringen.
Der Auftragsrückgang hat aber noch weitere Ursachen. Ohne Sie mit demographischen und soziologischen Entwicklungen langweilen zu wollen, hier ist eine: Die Zahl der Eheschließungen nimmt ab (die geburtenstarken Jahrgänge haben sie längst hinter sich) und auch die runden Geburtstage werden weniger. Vor 50 Jahren, also in der Nachkriegszeit, sind kaum Kinder geboren worden.
Fakt ist auch, daß Musikinstrumente wie z. B. Keyboards und Mischpulte heute nur noch ein Bruchteil dessen kosten, als das, was Sie vor 25 Jahren für etwas qualitativ Gleichwertiges budgetieren mußten. Der Elektronikmarkt boomt, er ist nach unten geöffnet worden.
Heute ist es für jeden Hobbymusiker möglich, mit seinem 1000 – DM – Keyboard und einer mittelprächtigen Übertragungsanlage den Ansprüchen einer Familienfeier zu genügen.
Was das bedeutet?
Sehr viel weniger Aufträge für sehr viel mehr Musiker.
Eine bittere Pille.
Aber es kommt noch dicker.
Die Ansprüche der Konsumenten (Veranstalter) sind sowohl durch den Angebotsüberhang auf dem Musikermarkt, als auch durch allgemeine gesellschaftliche Entwicklungen enorm gestiegen. Aus diesem Grund sollten Sie sich nicht nur als Musiker, sondern vor allem als Entertainer verstehen.
Es genügt eben nicht mehr, eine Gesellschaft mit Pianomusik zu versorgen, sei sie auch noch so virtuos interpretiert. Das behaupten auch meine Fans. Und zwar alle beide.

Also – her mit den Midifiles, oder?
Vor dem Hintergrund der immer weiter wachsenden Erwartungshaltung großer Kundenkreise sollten Sie auch (und hierauf liegt die Betonung) GM-Songs einsetzen. Allerdings nur dann, wenn Sie in der Lage sind, sie Ihren Bedürfnissen entsprechend zu bearbeiten. Dabei kann es nicht darum gehen, eine möglichst große Originaltreue zu erhalten.
Auch Profimusiker sind auf der Bühne selten in der Lage, ihre Studioaufnahmen live zu reproduzieren, weil sie mit einem enormen technischen Aufwand erstellt wurden.
Transponieren Sie das Stück in die für Sie richtige Tonart, verändern Sie die Lautstärkeeinstellungen, und -wenn möglich, passen Sie das Stück hinsichtlich Rhythmik und Tanzbarkeit Ihrem musikalischen Gefühl an. Nur dann können Sie sich mit diesem Stück identifizieren und machen sich auf der Bühne nicht zum Statisten, wenn Sie die eine oder die andere Spur stummschalten, um sie live mitzuspielen. Jetzt können Sie der Frage: „Spielen Sie eigentlich noch selbst?“ gelassen entgegensehen.
Sie sind – besser als das Original.
Das Tüpfelchen auf dem i sind aber Ihre (noch) verborgenen Talente.
Sie haben im engeren Familienkreis schon einmal gezaubert? Sie können bauchreden oder Stimmen imitieren? Heben Sie sich von der Konkurrenz ab und bringen Sie alle Ihre Möglichkeiten ein. Man wird es Ihnen danken und Sie bei der Planung der nächsten Veranstaltung berücksichtigen:
Alea jacta est (das ist auswärts und bedeutet soviel wie: so isses. Aber es hört sich gut an und hebt das … naja, Sie wissen schon).


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