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Rollenverständnis

Das 1. Gebot

 

“Du sollst sein der Dienstleister des Abends und nicht begehren Wolfgang Petrys Ruhm”

(Über das Rollenverständnis des Tanzmusikers)

Schaumburger Star

 

Wenn Sie weder mit einer Sonnenbrille herumlaufen müssen um Ihre Identität geheim zu halten noch körbeweise Post bekommen; wenn Sie weder Saalordner beschäftigen, um sich die kreischenden Fans fernzuhalten noch Millionengagen einstreichen, dann heißen Sie weder Wolfgang Petry noch Guildo Horn und bewegen sich in anderen Regionen, als die durch Funk und Fernsehen bekannten Stars.

Was sagt uns das?

Daß Sie an diesem Abend eine ganz bestimmte, besondere Rolle spielen sollten.
Und – die richtige Interpretation dieser Rolle bringt möglicherweise für einige Kollegen die eine oder andere schmerzliche Erkenntnis mit sich.
Während irgendwelche Topacts es sich (zumindest zeitweise) erlauben können, ihr minutiös geplantes Programm abzuspulen, wird von Ihnen eine besondere Art der Flexibilität erwartet.

Sie sind Roadie, Techniker, Toningenieur, Musiker und Entertainer in einer Person! Und das ist noch längst nicht alles: Auch der Psychologe in Ihnen ist gefordert.  Sie sollten sich unbedingt und während des ganzen Abends auf Ihr Publikum einstellen, Wünsche und Bedürfnisse erkennen und Interessenlagen erahnen – und Ihre Planung entsprechend modifizieren.
Das grenzt ja fast an Prostitution, sagen Sie?
Ich sage, daß Sie genau wie die Kellnerinnen und Kellner, der Partyservice oder der Koch eine Dienstleistung zu erbringen haben, für die Sie ja schließlich (hoffentlich!) gut bezahlt werden.
Eine Dienstleistung – nicht mehr, und vor allen Dingen, nicht weniger.

Konkret:
Beobachten Sie genau, wie das Publikum auf bestimmte Musikstücke oder Stilrichtungen reagiert. Aus diesem Grund sollten die ersten Tanzrunden auch bunt gemischt sein – deutsche Schlager (in letzter Zeit stark im Kommen), englischsprachige Oldies, Volksmusik (allen Unkenrufen zum Trotze: Sie boomt),  Medleys usw.
Haben Sie die Vorlieben des Publikums erkannt?
Gut.
Selbstverständlich verfallen Sie nun nicht in den Fehler, eine Volksmusikrunde nach der anderen zu spielen, sondern Sie setzen lediglich Prioritäten. Sie werden im Laufe des Abends feststellen, daß der Publikumsgeschmack keine konstante Größe ist, sondern sich mit fortlaufender Zeit und steigendem Alkoholpegel permanent ändert. Setzen Sie zum richtigen Zeitpunkt Stimmungslieder zum Mitsingen ein, animieren Sie Ihr Publikum zum Mitmachen. Was vor Jahren der Ententanz war, heißt heute Macarena oder Samba de Janeiro. ‘Schmuserunden’ setzen Sie am frühen Morgen ein.

Da wäre dann noch der flaumbärtige Jüngling, der vorhin mit seiner Bergsteigermofa vorfuhr und jetzt unbedingt für sein Girli das Aktuellste aus der Heavy Metal Szene gespielt haben möchte.
Selbst wenn Ihre spielerische und technische Potenz dies ermöglichen sollte, erfüllen Sie diesen Wunsch nicht. Extreme Stilrichtungen vor gemischtem Publikum? Ächz! Erfahrungsgemäß bleibt die Tanzfläche komplett leer. Sie können es sich erlauben, diesen einzelnen Gast zu verärgern; selbst auf die Gefahr hin, daß er Sie nicht für seine Hochzeit in 8 Jahren bucht.
Die Wünsche von ganzen Publikumsgruppen allerdings sollten Sie nicht ignorieren, denn – das Publikum hat immer recht. Andererseits lassen Sie sich die Richtlinienkompetenz für die Gestaltung und Organisation des Abends nicht nehmen.
Sonst wird Tante Käthe mit ihrem Vortrag über die schwierige Jugend des Brautvaters die von Ihnen mühsam aufgebaute Stimmung (siehe Vorwort) in wenigen Minuten in Grund und Boden reden. Die gerade ansteigende Spannungskurve bricht abrupt ab, sehr zu Ihrem und des Publikums Ärger. Und nach der Frustrations-Aggressions-Hypothese und anderen Prothesen träfe Sie dieser nachhaltig in ganz kurzer Zeit.
Sie jedoch verweisen höflich, klar und deutlich auf einen späteren, Ihnen genehmen Zeitpunkt. Häufig lösen sich derartige Differenzen mit fortschreitender Zeit von allein, wozu Tante Käthes Alkoholkonsum nicht unerheblich beiträgt. In diesem Fall heiligt tatsächlich der Zweck die Mittel.
Sie können derartige Probleme allerdings auch bereits im Vorfeld klären, indem Sie mit den Veranstaltern im Rahmen der Vorplanung Absprachen hinsichtlich des Ablaufs und der Gestaltung des Abends treffen.


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