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Vorwort

12 Uhr mittags.
Die glühendrote Sonne brennt unerbittlich  vom wolkenlosen Himmel.
Gelber Staub dörrt die durstigen Kehlen aus.
Quälende, endlose Stunden liegen zwischen uns und dem fernen Ziel.
Werden wir es rechtzeitig erreichen?

Schaumburger Musiker

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hoch in den Lüften zieht unermüdlich ein Habicht kreisend seine Bahnen.
Lähmende Müdigkeit steigt in uns hoch.

Doch da – plötzlich und markerschütternd – ein ungewohntes, pulsierendes und ständig wiederkehrendes Geräusch.

„Kannste vielleicht ´mal ans Handy gehen?“ meldet sich unsere Keyboarderin unwirsch zu Worte.
„Und mach bloß das Schiebedach weiter auf, man geht ja vor Hitze ein in diesem mickrigen Kleinwagen!“
Hurra, die Realität hat uns wieder!

Während ich noch überlege, was ich zuerst mache (das Schiebedach klemmt), klingelt das dämliche Ding schon wieder.
„Hallo, ich bin´s, der Brautvater,“ säuselt die langvermisste Stimme aus der Ohrmuschel, „wir ham für das Brautpaar ´n neues Lied eingeplant, das geht ungefähr so… “
Ich glaub´ es nicht, er versucht tatsächlich zu singen. „Könnt ihr das?“

Und jetzt, geneigter Leser, kommt die alles entscheidende Frage:
Wie lautet die richtige Antwort?
Ist es
a) „Selbstverständlich, kein Problem für uns!“ oder

„Da ham wir ´grad die Noten nicht dabei“ oder

„Wer sind Sie eigentlich, kennen wir uns?“

*********************************************

Der Abend hätte wirklich schön werden können.
Das Schleppen der Anlage über die Treppe in das 1. Obergeschoß (historischer Gasthof – Saal oben!), das Herausfliegen der Sicherungen beim ersten Anschalten der Endstufe, der besorgte Wirt („Spielt bloß nicht so laut, wir haben Wochenendgäste, und rückt mehr zusammen, die Tanzfläche ist zu klein!“)
- alles Schnee von gestern.
Das Publikum ist tanzfreudig, die Stimmung gut, da naht das Unheil in Gestalt des Brautführers.
Freudig erregt verkündet er, daß es nun an der Zeit sei, die Hochzeitszeitung zu verlesen, die er schließlich in mühevoller Kleinarbeit zusammen mit Tante Lina und Onkel Kurt verfaßt habe.
Ein Mikrophon wäre nicht schlecht, weil es im Saal zu laut sei und ein Notenständer bräuchte er auch – wegen seiner Kurzsichtigkeit.
Mit leicht errötetem Antlitz gestehe ich, daß wir keinen weiteren Notenständer dabei hätten und über ein Sendermikrophon hätten wir auch schon ´mal nachgedacht aber unser schwachbrüstiger Etat…

Schaumburger Tanzmucker

 

 

 

 

 

 

„Das macht nichts, dann nehm´ ich eben Deins!“ Spricht ´s tapfer, rupft das Mikro vom Ständer und schreitet von dannen.
Ungefähr 5 Meter weit, dann hat auch dieses Kabel ein Ende.
Der Stecker knirscht und das teure Stück poltert aufs Parkett. Kopfschüttelnd über das Unvermögen der modernen Technik und besonders der Band verzichtet er auf das Mikro.
Natürlich geht der Vortrag im allgemeinen Geräuschpegel unter und für den Rest des Abends bedenkt er uns mit giftigen Blicken.
Doch wir sind hart im Nehmen.
Bei dem etwas gelangweilt aus der Wäsche schauenden Publikum bringen wir uns durch eine flotte Westernrunde positiv in Erinnerung, danach ein Medley (die Stimmung schwappt fast über) und mittendrin ein krachendes Geräusch – Anlage aus.
Auch der Koch geht nur seiner Arbeit nach, und was kann er schon dafür, daß die Sicherungen nun mal bei bestimmten Belastungen ihren Geist aufgeben? Daß unsere Netzteile auf Überspannungen sauer reagieren, ist schließlich auch nicht sein Problem.
Also gut.
Ein total zersägtes Netzteil tausche ich aus, doch leider paßt der Stecker nicht. Da helfen nur noch Zange und Lötkolben.
Mittlerweile haben sich einige interessierte Gäste vor der Anlage aufgebaut und versorgen mich mit fachkundigen Kommentaren (wo ist mein Deo?).
Geschafft.
Die Bereitschaft zur inneren Einkehr ist bei uns in den letzten Minuten enorm gestiegen, etwas Gerstensaftkaltschale zum seelischen Wiederaufbau und …
„Müßt ihr immer so lange Pausen machen?“
Der Brautvater. Etwas unwirsch.
„Jetzt spielt ´mal noch ´ne Runde und dann kommt unser Lied!“ Wie bereits per Handy angekündigt, hatten die Brauteltern auch einen „witzigen“ Beitrag vorbereitet. Ein Lied (die Texte sind bereits ausgeteilt) sollte es sein, lauter selbstgedichtete Verse auf das Brautpaar.
„Da begleitet ihr uns natürlich, die Melodie von ‘Am Brunnen vor dem Tore’ (der Titel war ihnen wieder eingefallen) kennt ihr ja.“

Wie schon gesagt, uns wirft nichts so leicht um.
Schnell die nächste Runde – jetzt kommt die Stunde der Wahrheit.
„Wozu ist Mutti für deine Orgelstunden putzen gegangen, wenn du nicht mal so ein einfaches Lied …“
Unsere Keyboarderin straft mich mit Nichtbeachtung ob solch´ kleinlicher Anwürfe, zumal sich Brauteltern nebst Damenkränzchen bereits vor uns aufgebaut und vielstimmig mit der lustigen Darbietung  begonnen haben.
Unsere zugegebenermaßen etwas eigenwillige Begleitung wird mit erstaunten Blicken quittiert. Irgendwie beschleicht uns das ungute Gefühl, daß die improvisierte Volksliedbegleitung stark gegen das restliche Repertoire abfällt, die allgemeine Stimmungslage schlechter geworden ist und überhaupt -
der vielzitierte Funke will einfach nicht mehr überspringen.

So oder anders kam es, daß alles ganz anders gekommen ist.
Als wir am Tag drauf den Sonntagsspaziergang in reichlich verkaterter Stimmung antraten, gelobten wir Besserung.
Die Vorbereitung und Planung, die Ausrüstung, das Repertoire – alles sollte überdacht und verbessert werden.
Damit haben wir dann auch viele Tage unserer zweifelhaften Existenz zugebracht. Die Ergebnisse unserer Bemühungen finden Sie, geschätzter Leser, in diesem Buch.
zum nächsten Kapitel


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