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Romantische Liebesgedichte

von Friedrich Halm, Annette von Droste-Hülshoff, Heinrich Heine, Matthias Claudius, Friedrich von Sallet und vielen anderen.

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Bei dir sind meine Gedanken

Bei dir sind meine Gedanken
Bei dir sind meine Gedanken
Und flattern um dich her;
Sie sagen, sie hätten Heimweh,
Hier litt es sie nicht mehr!
Bei dir sind meine Gedanken
Und wollen von dir nicht fort;
Sie sagen, das wär’ auf Erden,
Der allerschönste Ort!
Sie sagen, unlösbar hielte
Dein Zauber sie festgebannt
Sie hätten an deinen Blicken
Die Flügel sich verbrannt.
(Friedrich Halm, 1806-1871)

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Brennende Liebe

Und willst du wissen, warum
So sinnend ich manche Zeit,
Mitunter so töricht und dumm,
So unverzeihlich zerstreut,
Willst wissen auch ohne Gnade,
Was denn so Liebes enthält
Die heimlich verschlossene Lade,
An die ich mich öfters gestellt?

Zwei Augen hab’ ich geseh’n,
Wie der Strahl im Gewässer sich bricht,
Und wo zwei Augen nur steh’n,
Da denke ich an ihr Licht.
Ja, als du neulich entwandest
Die Blume vom blühenden Rain
Und “Oculus Christi” sie nanntest,
Da fielen die Augen mir ein.

Auch gibt’s einer Stimme Ton,
Tief, zitternd, wie Hornes Hall,
Die tut’s mir völlig zum Hohn,
Sie folget mir überall.
Als jüngst im flimmernden Saale
Mich quälte der Geigen Gegrell,
Da hört’ ich mit einem Male
Die Stimme im Violoncell.

Auch weiß ich eine Gestalt,
So leicht und kräftig zugleich,
Die schreitet vor mir im Wald
Und gleitet über den Teich;
Ja, als ich eben in Sinnen
Sah über des Mondes Aug’
Einen Wolkenstreifen zerrinnen,
Das war ihre Form, wie ein Rauch.

Und höre, höre zuletzt,
Dort liegt, da drinnen im Schrein,
Ein Tuch mit Blute genetzt,
Das legte ich heimlich hinein.
Er ritzte sich nur an der Schneide,
Als Beeren vom Strauch er mir hieb;
Nun hab’ ich sie alle beide,
Sein Blut und meine brennende Lieb’.
Annette von Droste-Hülshoff 1797-1848

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Die Rose, die Lilie

Die Rose, die Lilie
die Taube, die Sonne,
die liebt ich einst alle in Liebeswonne.
die Kleine, die Feine, die Reine, die Eine;
sie selber, aller Liebe Bronne,
ist Rose und Lilie und Taube und Sonne.
(Heinrich Heine)

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Die Liebste nahm mit Lächeln

Die Liebste nahm mit Lächeln
Den Fächer in die Hand;
Sie wollte Kühlung fächeln
Auf meiner Wange Brand.

Wie sie mich angelächelt,
Wie sie mich angelacht!
Da ward, so angefächelt,
Der Brand erst angefacht.”

Friedrich Rückert 1788-1866

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Die Liebe

Die Liebe hemmet nichts;
sie kennt noch Tür und Riegel
und dringt durch alles sich;
sie ist ohn Anbeginn,
schlug ewig ihre Flügel
und schlägt sie ewiglich
(Matthias Claudius)

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Die erwachte Rose

Die Knospe träumte von Sonnenschein,
Vom Rauschen der Blätter im grünen Hain,
Von der Quelle melodischem Wogenfall,
Von süßen Tönen der Nachtigall,
Und von den Lüften, die kosen und schaukeln,
Und von den Düften, die schmeicheln und gaukeln.
Und als die Knospe zur Ros’ erwacht,
Da hat sie mild durch Tränen gelacht
Und hat geschaut und hat gelauscht,
Wie’s leuchtet und klingt, wie’s duftet und rauscht.
Als all ihr Träumen nun wurde wahr,
Da hat sie vor süßem Staunen gebebt
Und leis geflüstert: “Ist mir’s doch gar,
Als hätt ich das alles schon einmal erlebt.”
Friedrich von Sallet 1812 -1843

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Der Wald wird dichter…

Der Wald wird dichter mit jedem Schritt;
Kein Pfad mehr, kein Steig!
Nur die Quelle rieselt mit
Durch Farrenkraut und Brombeergezweig;
Ach, und unter den Eichenbäumen
Das Gras wie hoch, wie weich das Moos!
Und die himmlische Tiefe wolkenlos,
Wie blaut sie durch die Wipfel hier.
Hier will ich rasten und träumen,
Träumen von dir.
Emanuel Geibel 1815 – 1884

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Der Sommerfaden

Da fliegt, als wir im Felde gehen,
ein Sommerfaden über Land,
ein leicht und licht Gespinst der Feen,
und knüpft von mir zu dir ein Band.
Ich nehm ihn für ein günstig Zeichen,
ein Zeichen, wie die Lieb es braucht.
O Hoffnungen der Hoffnungsreichen,
aus Duft gewebt, von Luft zerhaucht!
Ludwig Uhland (1787 bis 1862)

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Gute Lehre

Grad Herz, brich nicht,
lieb mich und sags nicht,
liebt du mich,
wie ich dich
bleibt die liebe beständiglich.

Schöne Rose, fall nicht ab,
bis ich komm und brech dich ab:
Wenn mich schon die Dornen stechen,
will ich doch die Ros’ abbrechen.

Wer die Rose will abbrechen,
muß nicht achten der Dornen stechen;
Rosendornen stechen sehr,
falsche Liebe noch viel mehr.
aus: Des Knaben Wunderhorn, zsg. Arnim u. Brentano

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Wenn die Sonne

Wenn die Sonne hoch und heiter
lächelt, wenn der Tag sich neigt,
Liebe bleibt die goldne Leiter,
drauf das Herz zum Himmel steigt;

ob der Jüngling sie empfinde,
den es zur Geliebten zieht,
ob die Mutter sie dem Kinde
sing als süßes Wiegenlied,

ob der Freund dem Freund sie spende,
den er fest im Arme hält,
ob der hohe Greis sie wende
auf den weiten Kreis der Welt,

ob der Heimat sie der Streiter
zolle, wenn er wund sich neigt:
Liebe bleibt die goldne Leiter,
drauf das Herz zum Himmel steigt.
Emanuel Geibel (1815 bis 1884)

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Amors Pfeil

Amors Pfeil hat Widerspitzen,
wen er traf, der lass ihn sitzen
und erduld ein wenig Schmerz!
Wer geprüften Rat verachte
und ihn auszureißen trachtet,
der zerfleischet ganz sein Herz.
Gottfried August Bürger (1747 bis 1794)

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Neue Liebe

Herz, mein Herz, warum so fröhlich,
so voll Unruh und zerstreut,
als käm über Berge selig
schon die schöne Frühlingszeit?

Weil ein liebes Mädchen wieder
herzlich an dein Herz sich drückt,
schaust du fröhlich auf und nieder,
Erd und Himmel dich erquickt.

Und ich hab die Fenster offen,
Neu zieh in die Welt hinein
altes Bangen, altes Hoffen!
Frühling, Frühling soll es sein!

Still kann ich hier nicht mehr bleiben,
durch die Brust ein Singen irrt,
doch zu licht ist’s mir zum Schreiben,
und ich bin so froh verwirrt.

Also schlendr’ ich durch die Gasse,
Menschen gehen her und hin,
weiß nicht, was ich tu und lasse,
nur, daß ich so glücklich bin.
Joseph Freiherr von Eichendorff (1788 bis 1857)

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Der Jäger

Jäger, seit dein Blick mich traf,
Und aufgescheucht
Mein Schlaf ist wie des Wildes Schlaf,
Das man beschleicht;

Wie Hirsch und Rehe, die einmal
Gefloh’n vor dir,
Hinhorchend nachts ins stille Tal:
So geht es mir.

Oft fahr’ ich auf im wilden Schreck,
Noch tagt es kaum;
Ich seh’ dich kommen kühn und keck
Im halben Traum.
Martin Greif 1839 – 1911

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Der erste Mai

Der erste Tag im Monat Mai
ist mir der glücklichste von allen.
Dich sah ich und gestand dir frei,
den ersten Tag im Monat Mai,
daß dir mein Herz ergeben sei.
Wenn mein Geständnis dir gefallen,
so ist der erste Tag im Mai
für mich der glücklichste von allen.
(Friedrich von Hagedorn)
Der Brief

Der Brief, den du geschrieben,
er macht mich gar nicht bang;
du willst mich nicht mehr lieben,
aber dein Brief ist lang.
Zwölf Seiten, eng und zierlich!
Ein kleines Manuskript!
Man schreibt nicht so ausführlich,
wenn man den Abschied gibt.
(Heinrich Heine)

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Deine Liebe hat mich beschlichen

Deine Liebe hat mich beschlichen,
Wie der Frühling die Erde,
Wann der Winter nun ist entwichen,
Kaum merkt sie, dass warm es werde.

Aber der Sonne heimliche Kraft
Hat schon das Herz ihr gerühret,
In der Wurzel regt sich der Saft,
Noch ehe der Zweig es spüret.

Der Schnee zerschmilzt, die Wolken zergehn,
Die erste Blüt’ ist entglommen,
Dann sieht sie in voller Glut sich stehn
Und weiß nicht, wie es gekommen.
Friedrich Rückert 1788-1866

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